SPD-Politikerinnen informieren sich über Pflege-Herausforderungen

Im Vorfeld der Landtagswahl hat sich die SPD-Landtagskandidatin für den Wahlkreis Ettlingen, Anneke Graner, gemeinsam mit ihrem Team im Seniorenzentrum RheinLeben über die Situation in der Altenpflege informiert. Begleitet wurde Graner von der Bundestagsabgeordneten Jasmina Hostert. Im Austausch mit dem Interims-Geschäftsführer des ASB Rheinstetten-Rastatt, Patrick Scholder, Einrichtungsleiterin Iva Kälber sowie dem kommissarischen Vorstandsvorsitzenden Roland Oberle wollten die Politikerinnen erfahren, wo die größten Herausforderungen für Pflegeeinrichtungen liegen.
Scholder begrüßte das Interesse an der Einrichtung, die als Neubau mit entsprechend höheren Investitionskosten verbunden ist. Aus seiner Verantwortung für mehrere ASB-Häuser berichtete er von einem deutlichen Anstieg der Sozialhilfequote: Lag diese vor einigen Jahren noch bei rund 20 Prozent, seien es inzwischen deutlich über 30 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner, die auf Unterstützung angewiesen sind. Angesichts weiter steigender Kosten stelle sich zunehmend die Frage, wie Pflege künftig finanziert werden könne.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Gewinnung ausländischer Pflegefachkräfte. Graner und Hostert erkundigten sich, ob beschleunigte Anerkennungsverfahren für ausländische Abschlüsse in der Praxis Entlastung bringen. Scholder erläuterte, dass der ASB mit spezialisierten Agenturen zusammenarbeite, insbesondere bei der Anwerbung von Fachkräften aus den Philippinen. Der Aufwand sei jedoch hoch: Neben bürokratischen Hürden entstünden zusätzliche Kosten für Spracherwerb und Integration. Zudem wechselten viele der angeworbenen Kräfte später in Kliniken oder andere Beschäftigungsverhältnisse mit besseren Verdienstmöglichkeiten. Auch Einrichtungsleiterin Iva Kälber berichtete aus ihrer beruflichen Praxis von teils schwer nachvollziehbaren Verfahren bei Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen. Der damit verbundene bürokratische Aufwand belaste nicht nur die Einrichtungen, sondern frustriere auch die Pflegekräfte selbst.
Unter dem Stichwort „stambulant“ wurde über Konzepte diskutiert, die ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote stärker verzahnen und flexibler an die Lebensumstände der Menschen anpassen sollen. Scholder zeigte sich vom Konzept „BeneVit“, das die klassischen Versorgungsgrenzen aufhebt, durchaus angetan. Gleichzeitig betonte er, dass die stationäre Pflege insbesondere bei hochdementen oder schwer pflegebedürftigen Menschen unverzichtbar bleibe.
Auch die Tagespflege kam zur Sprache. Scholder schilderte, dass es bei Tagesstätten in der Region ein deutliches Gefälle bei den Belegungszahlen gebe. Während die Tagesstätte des RheinLeben seit ihrer Eröffnung sehr gut angenommen werde und eine hohe Auslastung verzeichne, stünden in anderen Einrichtungen teils zahlreiche Plätze leer. Dies zeige, wie unterschiedlich Bedarf und Inanspruchnahme vor Ort ausfallen können.
Nach einem Rundgang durch das Seniorenzentrum und einem Abstecher in die Tagesstätte verabschiedeten sich die beiden Politikerinnen. Sie bedankten sich für die offenen Worte, die ehrlichen Einblicke und den intensiven Austausch.